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Der Schwerpunkt dieser Seiten ist die Industriekultur-Fotografie und Geschichte in der westeuropäischen Montanindustrie sowie Infrastruktur, Transport und Verkehr. Es erwarten Sie Fotografien und Geschichten der Kohlezechen und Hüttenwerke aus dem Ruhrgebiet, Belgien, Frankreich und dem Saarland. Dazu kommen Hütten und Erzbergwerke aus dem Harz, Transportmittel wie der Transrapid und künftig Classic Cars und einiges mehr.

HüttenwerkeBergwerkeKokereienTransport und Verkehr

Abschied vom fossilen Industriezeitalter

Warum lohnt es sich Hüttenwerke, Zechen und andere Industriebauten zu dokumentieren? In Deutschland und Europa ist es längst nicht mehr zu übersehen: Selbst tiefe Spuren des Industriezeitalters sind bereits wieder getilgt. Ohne Dokumentation gibt es keine Erinnerung an ihre Geschichte und einstige Bedeutung. Große Zechen, Kokereien und Hüttenstandorte, einst jeweils eine niemals schlafende Stadt in der Stadt, wurden rückgebaut und nicht selten für den Wiederaufbau in China demontiert. Die Essener Weststadt war einmal Krupp so weit das Auge reichte. Heute ist davon nur noch wenig übrig. Die Epoche der Industrialisierung hatte Menschen und Landschaften geprägt wie keine zuvor. Kohle und Stahl begründeten in den europäischen Industriestaaten einen Wohlstand und Fortschritt, wie ihn die Menschheit in hunderttausenden Jahren zuvor noch nicht gesehen hatte. Hüttenwerke mit Hochöfen, die Fördertürme der Zechen, Kühltürme und Schlote der Fabriken wuchsen als Zeichen eines fortschrittlichen Wirtschaftswunders in den grauen Himmel. Lange kannte der Himmel über der Ruhr als Farbvariation nur das Glutrot eines Schlackenabgusses. Der Ausblick über Duisburg, Dortmund, Bochum, Essen, oder Gelsenkirchen war ein häufig vor Smog nebeliger Wald aus Zechen, Hütten und Halden. Heute unvorstellbar: Damals war das sogar ein beliebtes, modernes Wirtschaftswunder-Fotomotiv auf Ansichtskarten. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts begreift die Menschheit die Schattenseiten einer auf fossilen Brennstoffen basierenden Industrie. Die Energiewende verändert seitdem unsere Landschaften. Es entstehen Windkraftanlagenparks so weit das Auge reicht. Stahl- und Chemieindustrie werden dieser Entwicklung folgen. Durch die Umstellung auf Direktreduktionsanlagen und wasserstoffbasierte Prozesse, werden viele weitere Zeugen der Industriealisierung des 19. und 20. Jahrhunderts wohl bald neuem weichen.

Zechen und Hütten drückten der Region ihren Stempel auf

Der Bergbau hat ganze Regionen geprägt und Konzerne wie die Haniels groß gemacht. Die Erfindung von Hoch- und Drehrohröfen sowie moderner Konverterverfahren verhalf der Hüttenindustrie zum Durchbruch und begründete weitere bekannte Dynastien. Zu ihnen gehören die Krupps, die Thyssens, die Hoeschs und die Mannesmanns. Manche heutige Großstadt entwickelte sich erst aus den ländlich geprägten Siedlungen rund um die ersten Zechen und Hüttenwerke. Durch zunehmende Konkurrenz aus Asien, Rationalisierung und Sättigung der Märkte schrumpfte die Hüttenindustrie in Europa wieder. Ob im Ruhrgebiet, im Saarland, im Harz oder auch in Belgien oder Lothringen: Wo die Hüttenindustrie sich einst ansiedelte, prägt sie bis heute das Umfeld. Bodenschätze sind endlich. Sie lagen zunächst immer tiefer und ihre Gewinnung wurde zunehmend unwirtschaftlich. Erz kommt heute von weit her. 2018 endete auch die Steinkohleförderung in Deutschland. Wo die Rohstoffversorgung vor Ort endet, liegen auch Hüttenwerke plötzlich weit von ihren einst nahen Rohstofflieferanten entfernt. Zechen und Hütten schließen. Es bleiben von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaften, Probleme mit Altlasten und auch zahlreiche Chancen. Kein Bergwerk war wie das andere. Jedes Hüttenwerk war ein Unikat. Es gab vergleichbares und unterschiedliches, Zweckbauten und architektonische Glanzpunkte. Ein neues Verständnis für Industriekultur macht an einigen Orten erlebbar und betretbar was früher verboten war.

SMOG weg – Alles wieder gut?

Heute ist der Himmel über dem Ruhrgebiet wieder blau. Die verbliebene Stahlindustrie bewegt sich im Spannungsfeld von sinkender Nachfrage, Billigkonkurrenz aus Asien und steigendem Veränderungsdruck durch immer mehr Umwelt- und Klimabewusstsein. Bereits 2012 wurden nur noch 11% des weltweiten Rohstahls in der EU erzeugt, mehr als die Hälfte wurde hingegen in Asien produziert. Es geschieht ein langer, schmerzhafter Abschied vom Industriezeitalter. Die Ungleichheit im Kampf gegen den Klimawandel führt auch zu Wettbewerbsverzerrung und steigenden Abhängigkeiten. Die Corona-Jahre 2020-2022 haben gezeigt, dass diese Art der Globalisierung auch ein Weg ist, der zu gefährlichen Engpässen und Versorgungsunsicherheit führen kann. Nachnutzung ehemaliger Industriegebäude hieß früher häufig „ruinöser Umnutzung“. Schrauber und Bands fanden günstig zu mietende Restgebäude, die sie bis zum Verfall nachnutzten. Heute wird die Umnutzung alter Industriestandorte häufig begleitet von offiziellen kulturellen Angeboten, öffentlichen Fördergeldern oder der schnöden „Revitalisierung“ eines Zechengeländes durch einen Immobilieninvestor, der das „besondere Flair“ sucht. Das geschieht häufig unter erheblich entstellenden Eingriffen in die einstige Bausubstanz oder führt fast zu ihrem Totalverlust. Manches geschichtsträchtige Gemäuer weicht dem Bau eines weiteren Verbraucher- oder Baumarkts oder wird zu einem sogenannten „Kreativ-Quartier“ wechselnder Qualitäten umgewidmet. Ohne gute Konzepte bleiben häufig nur ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Restbauten und ein Stückchen Zechenmauer stehen. Auch was erhalten schien, wird manchmal Mangels ernsthafter Sanierung Jahre später noch getilgt und weiter entstellt.

Das postindustrielle Zeitalter und der Transrapid

Die Umgebung ehemaliger Industriestandorte bleibt nicht selten durch strukturelle Perspektiv- und Arbeitslosigkeit geprägt. Das geschieht nicht selten im Schatten eines sogenannten Leuchtturmprojektes, dass an die Stelle des einst für den Ort sinnstiftenden Betriebes treten soll oder sollte. Die Suche nach einem Neuanfang neben der Industriebrache beginnt zunächst häufig irgendwo zwischen geschlossener Zechenkneipe, Dönerbude, zwielichtiger Wettbude, Spielhalle und 1-Euro-Laden. Wenn der Wandel in die Moderne gelingt, sorgt er häufig für Aufruhr. Denn schnell vertreibt er im Gewand der sogenannten „Gentrifizierung“ angestammte, über Jahrzehnte gewachsene Milieus und Nachbarschaften aus dem einst völlig unattraktiven und damit bezahlbaren Wohnraum am schmutzigen Werk. Nicht nur Designer und Softwareingenieure schätzen jedoch geschichtsträchtiges, angesagtes Industrieloft-Gemäuer und verdrängen die angestammte Klientel aus ihrem Revier. Manchmal präsentiert sich die Strukturwandel-Zukunft auch bereits wieder als Vergangenheit, in Form einer voll erschlossenen Brache oder Investitionsruine. Manche schon zur musealen Nachnutzung vorbereitete Zeche wurde noch schnell für die Reitanlage eines ominösen Scheichs umgelegt. Was nach Stoffen klingt, die einem schmalzigen ZDF-TV-Drama entspringen könnten, war gar nicht so selten bittere Realität im Kampf um irgendeine Zukunft für absteigende Ruhrgebietsstädte. Selbst mancher zunächst gelungene Strukturwandel ist bereits wieder Geschichte. Das Opel Werk Bochum, Nokia, Siemens Mobile und Co starben noch vor der Steinkohle einen bitteren Tod im Revier. Mancher Industrie und Spitzentechnologie aus Deutschland war erst gar keine große Blüte vor ihrem Aus vergönnt. Zu einer von ihnen gehört der fast geplatzte Traum der Hochgeschwindigkeits-Magnetschwebebahn, dem Transrapid.

Strukturwandel ist nicht immer schön

Strukturwandel ist nicht einfach und nicht immer schön. Auch Industriearbeit war nicht immer schön und wird mit Blick auf den Zusammenhalt von Kumpels und Malochern auch nicht selten im Rückblick klischeebeladen überromantisiert. Auf industriedenkmal.de wollen wir nichts verherrlichen aber doch ein wenig melancholisch sein und erinnern. Es ist eine eigene Welt und Kultur die mehr und mehr verschwindet. Wir besichtigen den Fortschritt von gestern. Vielleicht ist das wichtig. Denn man könnte im 21. Jahrhundert dem Irrtum erliegen, die Industriealisierung sei angesichts von Klimafragen von Anfang bis Ende nur eine einzige Klimasünde gewesen. Auch wenn wir heute einiges besser verstehen und umsteuern müssen, hat die Industrialisierung die Entwicklung zu Wohlstand und Fortschritt sowie die Basis für viele Lösungen im neuen Jahrtausend erst ermöglicht. Auch klimafreundlichste Mobilität und Infrastruktur benötigt Stahl. Er soll künftig durch Direktreduktion und Wasserstoffeinsatz klimafreundlich erzeugt werden. Die verbliebenen Hüttenstandorte werden wieder einmal ihr Gesicht verändern. Wir haben nun die Möglichkeiten einiges besser zu machen als in den letzten 200 Jahren. Deshalb war die Industriealisierung nicht von Grund auf verkehrt. Selbstverständlich gehören zur Industriegeschichte auch andere dunkle Kapitel. Umweltskandale und Klimafolgen genauso wie Zwangsarbeit. Wo sie hier keine Erwähnung gefunden haben sollten, geschah dies nicht in der Absicht etwas unter den Tisch fallen zu lassen oder zu verherrlichen. Der Fokus dieser Seite liegt auf technischer und architektonischer Geschichte und Abbildung von Sachen, den Industrieanlagen. Für die Aufarbeitung o. g. menschgemachter Fehler finden sich bei Interesse sicherlich leicht zahlreiche und deutlich kundigere, kompetentere und historisch sorgfältigere Stellen. 

Viel Vergnügen auf Ihrer virtuellen Rundreise durch die Welt der Industriekultur!